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RAINHARD FENDRICH – MEINE ZEIT – Sein neues Album

Eine lange Geschichte kannst Du nun hier auf dieser Seite lesen. Über Rainhard Fendrich, einer der bedeutensten deutschsprachigen Liedermacher und Chansonniers. Und Rainhard wird nicht müse. Nun kommt sein neues Album MEINE ZEIT in die Läden.

„Bei ‚Meine Zeit’ reduziere ich mich auf das Wesentliche, das meine momentane Lebenssituation ’Was will ich, wohin möchte ich und wo komme ich her…’ widerspiegelt. Ich möchte irgendwann meinen Kindern Rede und Antwort stehen, was es zu meiner Zeit gegeben hat. Die Spaßgesellschaft ist vorbei. Es ist zudem eine Krankheit dieser Zeit, dass man über seine Verhältnisse lebt. Doch Luxus ist das, was man zum Glücklichsein am allerwenigsten braucht…“

Mit seiner neuen CD „Meine Zeit“ setzt der 55-jährige Österreicher eine Zäsur und läutet einen neuen Abschnitt seiner so erfolgreichen Karriere an. „Es ist ein Album, das ich in einer gewissen seelischen Balance geschrieben habe. Ich sehe diesen Titel als bewusstes Statement. Wenn das Leben ein Kalender wäre, wäre ich jetzt im September“, resümiert Rainhard Fendrich. „Man muss einfach irgendwann feststellen, dass man mehr Zeit hinter sich hat als vor sich. Das ist nicht beängstigend, sondern es kann ein großer Vorteil sein. Eine Minute wird oft länger, weil man sie besser nutzt als früher. Ich habe begriffen, dass die Zeit für mich immer kostbarer wird.“

Vier Jahre nach der letzten Studio-CD „hier + jetzt“ beweist Rainhard Fendrich mit dem neuen Album, dass er sich immer wieder zu neuen künstlerischen Höchstleistungen motivieren kann. Dieser neue Liederzyklus zeigt aber auch, dass sich die Prioritäten des Künstlers und Menschen Fendrich verändert haben. „Je älter man wird, desto kompromissloser wird man“, erklärt er nachdenklich.

„Liedermacher zu sein heißt für mich, auch immer ein Spiegel seiner Zeit und seiner eigenen Persönlichkeit zu sein. Einen Song wie „Macho Macho“ könnte ich heute nicht mehr schreiben. Erstens weil die Zeit nicht mehr so unbeschwert ist wie damals in den 80ern. Allein das Lied „Ich will Spaß, ich geb Gas…“ war Nihilismus pur, es war alles egal. Und zweitens kann ich es auch aus meinem Inneren nicht, weil ich nicht mehr in der Lage bin, mir den Kopf über solche Dinge zu zerbrechen.

Sie sind einfach nicht wichtig genug. Dennoch gehört dieser Titel fest zu mir und es ist jedes Mal ein schönes Gefühl, wenn das Publikum bei den Live-Konzerten nach all den Jahren immer noch Freude daran hat.“ Rainhard Fendrich war nie ein Künstler, der es sich oder seinem Publikum leicht gemacht hat. Natürlich möchte er sein Publikum gut unterhalten, aber er will mit seinen Songs auch anecken, polarisieren und provozieren, vor allem jedoch möchte er seine vielen Fans zum Nachdenken anregen. „Manche sagen, dass meine Lieder zu schwer sind. Die Lieder sind nicht schwer, die Zeit ist schwer! Wir leben in einer hochkomplexen und komplizierten Welt, die ständig neue Herausforderungen mit sich bringt. Vor denen kann man nicht weglaufen, denen muss man sich stellen. Ich weiß, man kann die Welt nicht verbessern, aber man muss es wenigstens versuchen.“

Mit der Vorab-Single „Luise“ hat Rainhard Fendrich im Sommer schon ein großes Ausrufezeichen gesetzt. In dem Song beschäftigt sich der Wiener mit der aktuellen Wirtschaftskrise. In seiner unnachahmlichen Erzählkunst verbindet er das globale Wirtschaftsdesaster mit einem persönlichen Schicksal. „Einem Bekannten von mir ist die Frau davon gelaufen, weil er mit seinem Unternehmen in Schwierigkeiten geriet und nicht mehr die horrenden Rechnungen seiner lieben Gemahlin für Gucci, Dior & Co. bezahlen konnte“, berichtet Fendrich über die Anregung für diesen Song. Und wie so oft in seinen Liedern nimmt der Österreicher ein Einzelschicksal zum Ausgangspunkt für die humoristisch inszenierte, aber tiefgreifende Frage, was wir wirklich im Leben brauchen. „Die Seychellen können warten, schön ist’s auch im Schrebergarten“ ist eine Antwort, die er darauf gibt.

Fendrichs meisterhaftes Spiel mit der Ironie zeigt sich auch in dem herrlich grotesken Song „Partyluder“ oder in dem bissigen Stück „Neider“, zu dem der Österreicher trocken anmerkt: „Ich habe die Neider in meinem Leben nicht gezählt. Aber ein römischer Feldherr hat einmal gesagt: Wer keine Neider hat, der hat auch nichts erreicht im Leben.“ Die florettartige, sehr Wienerische Ironie ist nur eine, wenn auch eminent wichtige Facette im Schaffen von Rainhard Fendrich. Der Song „Pures Gold“, der zu Beginn der neuen CD erklingt, ist dagegen ein berührendes und intimes Lied, das eine ganz andere Seite des Österreichers offenbart. „Es handelt davon, dass es in den kritischsten Phasen meines Lebens Menschen gab, die mir das Leben gerettet haben. Jeder Künstler durchlebt Tiefpunkte und Talsohlen, das ist leider so. Aber auf einmal kommen die rettenden Engel, die noch dazu ganz offensichtlich uneigennützig helfen. Das Lied drückt meine Dankbarkeit aus und es ist durchaus autobiographisch.“

Rainhard Fendrich ist ein wacher und kritischer Beobachter, aber vor allem ist er ein neugieriger Mensch. „Das ist die wichtigste Eigenschaft eines Liedermachers. Mein verstorbener Freund Georg Danzer hat gesagt: Ein Liedermacher muss dort ’Au Weh’ schreien, wo es den anderen weh tut.“ Und es gibt in der heutigen Zeit offensichtlich viele Dinge, die uns weh tun. Ob man das Schlagwort ’Globalisierung’ ins Spiel bringt, oder die Frage nach den Werten, die heute wichtig sind, es wird immer wieder klar, dass es keine einfachen, wohlfeilen Antworten gibt. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum es auf dem neuen Album „Meine Zeit“ so viele nachdenkliche Stücke gibt. „Es ist die Zeit, die dich nachdenklich macht. Und ich empfinde es als meine Aufgabe als Liedermacher, auf die vielen Probleme aufmerksam zu machen.“

So thematisiert Rainhard Fendrich den fortwährenden Wahn des „Immer Höher, Schneller, Weiter“ in dem Song „Mehr“, spottet in „Bussi Bussi“ über die Gier nach dem Dasein im Scheinwerferlicht und nimmt leise „Abschied“ von „Menschen, die vor ihrer Zeit gehen müssen“. Wie sein enger Freund Georg Danzer, der im Juni 2007 nach langem Krebsleiden verstarb. Dabei ist Fendrich weit davon entfernt, sich als Moralapostel aufzuspielen. „Man muss sich auch irren dürfen. Was ich sage, ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich lebe in dieser Zeit und mache mir Gedanken – über die Wirtschaftskrise, Umwelt – Katastrophen oder etwa die häusliche Gewalt. Da stelle ich mir die Frage, ob das nicht immer schon so war. Ich glaube, es war schon immer so. Aber es ist der Vorteil unserer Zeit, dass diese Dinge endlich ans Licht kommen.“

Eine Initialzündung für die Entstehung dieser neuen CD, deren 15 Lieder in nur sechs Monaten auf Mallorca entstanden sind, war die Brutalität unter Kindern und Jugendlichen, dieser Frust einer ganzen Generation Jugend. Dabei ist das betroffen machende Lied „Wen wundert’s“ entstanden. Rainhard Fendrich: „Dieses Komasaufen, diese Amokläufe, diese Perspektivlosigkeit, die auch damit zu tun haben, dass sich Eltern zu wenig um ihre Kinder kümmern – das alles war der erste Anstoß. Auf Mallorca ist es wirklich erschütternd zu sehen, wie Menschen, die gerade die Matura oder das Abitur gemacht haben, gar nicht wissen, auf welcher Insel sie sind. Das ist schon ein sehr starkes Warnsignal für eine Orientierungslosigkeit…“ „Meine Zeit“ ist das beeindruckende Ergebnis eines langen Prozesses der Auseinandersetzung, des Reflektierens, auch der Selbstfindung. Ein ebenso nachdenkliches, wie Hoffnung machendes Album voller Poesie.

RAINHARD FENDRICH 2010 ist selbstbewusst, charmant und souverän. Er ist lustvoll, nachdenklich, er bewegt und berührt immer auf der Höhe der Zeit und mitten unter uns.

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