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Ausstellung in Berlin – wurmloch oder der versuch, krümmungen gerade zu biegen

Eine etwas außergewöhnlichere Ausstellungs-Vorstellung unserseits. Deinerseits aber, lieber Leser, sollte man auch im Alter sich mit Neuem eindecken. Dann bleibt das Gehirn auch klar. Also, auf nach Berlin, sobald die Ausstellung eröffnet ist, und mal andere Kunst kennenlernen. Ewig das Heimatmuseum wird schließlich auch langweilig.

Reisewege in andere Welten? Der Begriff Wurmloch ist nicht nur Science-Fiction-Fans vertraut. Die fragilen Gebilde, die sich für eine extrem kurze Zeitspanne öffnen und dann wieder schließen, können zu Abkürzungen zwischen sehr weit voneinander entfernten Reisepunkten werden. Einen Nachteil haben sie allerdings: Sie sind bisher nicht nachweisbar. Da das Wurmloch ein hypothetisches Gebilde ist, wissen wir nicht, in welchen zeitlichen Abständen es sich schließt und öffnet.

Wir können nicht sicher sein, ob eine losgeschickte Sendung stecken bleibt oder ob sie womöglich an einem nicht programmierten Reiseziel ankommt. Weder wissen wir, was in der Zwischenzeit auf dem Weg mit der Information geschieht, noch in welcher Form sie ihr Ziel erreicht. Eine Beschreibung des Wurmlochs als Unfallstrecke ist somit naheliegend. Der Tintenstrahldrucker als Musik- und Animationsinstrument: In Barbara Hindahls Video-Sound-Projektion entsteht eine abstrakte Erzählstruktur, für die Unschärfen und Interferenzen der Bild- und Filmgenerierung sowie Soundcharakteristika eine wichtige Rolle spielen.

In ihren Raumzeichnungen/Interventionen arbeitet sie mit dem Kontrast zwischen künstlerischer Setzung und Realität. Eine in den Raum gesetzte Zeichnung kann nur von einem festgelegten Punkt aus als zweidimensionales Bild erkannt werden, das über dem Raum schwebt. Von allen anderen Standorten ist sie lediglich als unregelmäßige Verteilung von Zeichen wahrnehmbar. Installationen und Zeichnungen von Ins A Kromminga zersetzen Geschlechter- und Körpernormen des von uns bewohnten Teils des Universums.

Risse und Ränder falten sich schon längst über unseren Alltag, die Löchrigkeit des einst so familiären Teppichs erlaubt Sprünge hinaus ins Fremde und wieder zurück in das veränderte Hier. Der Unterschied zwischen Uns und Denen verliert zunehmend an Schärfe, und schließlich verschmelzen die Differenzen zu einer neuen Komplexität und gewinnen damit eine weitere Dimension. Karen Scheper zeichnet Textuniversen und entwickelt daraus schwarz-weiße Objekte und raumgreifende Assemblagen.

So trifft Einsteins berühmte Formel E=mc2 als formsprengende Blasenkonstruktion auf die wandfüllende Grafik einer Gitternetzkonstruktion und Passagen aus Science-Fiction-Romanen, in denen multiple Raum-, Zeit- und Realitätsverzerrungen beschrieben werden. Die Devise heißt KWATSCH. Selbstverständlich geht es hier nicht um Unsinn, sondern um ein Geräusch: das Stapfen in der Zeitlichkeit und das stille Stottern im Raum-Zeit-Kontinuum. Veronika Witte ist daran interessiert, wie Körper mit identischer Matrix durch äußere Einflüsse oder durch konkrete Manipulation ihre Erscheinungen verändern.

Der Übertragungsvorgang des »Sicher Geglaubten« spielt dabei eine große Rolle, da er Festschreibungen auflöst – seien sie biologischer oder kultureller Natur. Sie treten in eine Übermittlungs- und – unter Umständen fehlerhafte – Übertragungsschleife ein. Dieser Vorgang, als Kommunikation gedacht, ist eine Art »Stille Post«. Wittes skulpturale Übersetzungen beschriebener zukünftiger Körper Anderer, Fotografien vom lauten Flüstern des eigenen Namens in kulturell fremden Kontexten oder pulsierende visuelle Zersetzungsstrukturen medialer Bilder befragen den Zusammenhang von Erscheinung, Form und Wesen, der sich beim Gang durchs Wurmloch aus der Determinierung der Doppelhelix löst.

Eröffnung: Donnerstag, 21. April 2011, 19 Uhr; Ausstellung: 22.04. – 21.05., Di.-Sa., 13-19 Uhr.
An Feiertagen geschlossen.

Begleitende Veranstaltungen:
Mittwoch, 11. Mai, 19 Uhr Ausstellungsrundgang mit den KünstlerInnen dienstags bis samstags 17 Uhr 5 p.m.
Tägliche Live-Lesung. KünstlerInnen, geladene Gäste und BesucherInnen lesen Edwin A. Abbots Roman »Flächenland«.

Kunstverein Tiergarten | Galerie Nord
Turmstr. 75, 10551 Berlin

Bild: © Veronika Witte, aus der Serie „1 ici et 9 ailleurs“, 2011

openpr.de

www.kunstverein-tiergarten.de

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