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Rentner auf dem Bock – Bremssystem reduziert die Unfallgefahren beim Motorradfahren

Einige meinen ja, ältere Rentner solten am Besten gar kein Fahrzeug mehr führen, andere sagen, warum nicht, solange sie fit sind. Und so gibt es auch immer mehr Menschen über 60, die sich auf den „alten“ Tagen noch einen Lebenswunsch erfüllen, ein Motorrad. Aber gerade bei einem Motorrad sollte man besonders auf die Sicherheit achten.

Ein Auto, das plötzlich aus einer Parklücke auf die Straße rollt, ein spielendes Kind, das auf die Fahrbahn läuft: Im Straßenverkehr sollte man permanent auf Gefahrensituationen vorbereitet und bremsbereit sein. Was selbstverständlich klingt, ist für Motorradfahrer allerdings mit besonderen Risiken verbunden. Da viele Bikes nicht mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet sind, verlangen sie ihren Fahrern in kritischen Situationen viel Sensibilität beim Bremsen ab. Sonst droht ein Blockieren der Räder und die Maschine bricht aus – mit oft fatalen Folgen. Ein ABS, für Autos längst zum Standard geworden, könnte zahlreichen Gefahrenmomenten auch auf dem Motorrad den Schrecken nehmen und viele Leben retten – doch noch sind Tausende Biker ohne das Sicherheitsextra unterwegs.

Foto: Mehr Sicherheit auf zwei Rädern: Bei plötzlichen Ausweichmanövern verbessert ein Motorrad-ABS die Fahrstabilität.
djd/Bosch

Viele Unglücke wären vermeidbar
Während die Zahl der Verkehrstoten insgesamt seit Jahren deutlich rückläufig ist, sind Motorradfahrer unverändert oft von schweren Unfällen betroffen: Laut ADAC sind europaweit derzeit rund 4 000 Motorrad-Unfalltote pro Jahr zu beklagen. Nach Berechnungen des European Transport Safety Council (ETSC) ist die Gefahr eines tödlichen Unfalls bei gleicher zurückgelegter Entfernung für Biker 18 Mal größer als für Autofahrer. Experten sind sich einig, dass viele dieser Unfälle mit ABS vermeidbar wären: Nach Berechnungen von Bosch auf Basis der deutschen Unfalldatenbank GIDAS gilt dies für jedes vierte Motorradunglück mit Verletzten und Getöteten. Bei einem weiteren Drittel der Unfälle wäre durch den Blockierschutz der Unfall zumindest harmloser ausgegangen, so die Untersuchung.

Das alte Argument, Antiblockiersysteme seien zu groß und zu schwer für Motorräder, trifft heute nicht mehr zu. „Die aktuelle Generation 9 ist mit einer Größe von 0,4 Litern und einem Gewicht von 700 Gramm nahezu halb so groß und schwer wie die Vorgängergeneration und damit das aktuell kleinste Motorrad-ABS der Welt“, sagt Bosch-Experte Fevzi Yildirim. Nahezu alle führenden Motorradhersteller bieten nach seinen Worten bereits heute Modelle mit ABS an. Yildirims Empfehlung lautet daher: „Motorradfahrer, die sich heute für eine neue Maschine interessieren, sollten nicht mehr auf dieses womöglich lebensrettende Extra verzichten.“

EU macht Antiblockiersystem 2016 zur Pflicht
Dennoch sind europaweit erst 16 Prozent der neu zugelassenen Motorräder mit ABS ausgerüstet – ein Zustand, den die EU jetzt ändern will. Ab 2016 soll die Sicherheitsausstattung für Motorräder ab 50 Kubikzentimetern zur Pflicht werden – zu spät, wie viele Experten meinen. „Mit dem Motorrad-ABS können pro Jahr in Europa mehr als 500 Menschenleben gerettet werden. Deshalb macht es doch keinen Sinn, hier bis 2016 zu warten. Die Technik ist schließlich vorhanden und ausgereift. Die verpflichtende Einführung sollte deshalb früher gelten“, sagt Thomas Burkhardt, Vizepräsident für Technik beim ADAC.

(djd/pt)

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