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Altersdiabetes – eine Alterskrankheit?

Foto: pixabay.com / TesaPhotography

(CIS) – Diabetes mellitus Typ II ist unter dem Begriff Altersdiabetes bekannt, da über 50 Prozent aller
Diabetes Patienten älter als 65 Jahre sind. Nur vereinzelt sind Patienten jünger als 40 Jahre. Da
seit einigen Jahren vermehrt auch Kinder und junge Menschen an dieser Zuckerstoffwechselkrankheit
erkranken, bezweifeln Experten, dass der Begriff Altersdiabetes noch gerechtfertigt sei.

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Die Lage in Deutschland
Laut dem Gesundheitsbericht
Diabetes 2016 wurde bei sieben bis acht Prozent der deutschen Bevölkerung ein Diabetes Typ II
diagnostiziert. Hinzu kommen circa zwei Millionen Personen, bei denen die Erkrankung aufgrund
fehlender Symptome nicht diagnostiziert wurde. Insgesamt kann aktuell von rund 7,6 Millionen
Diabetikern in Deutschland ausgegangen werden. Damit gehört die Bundesrepublik aus globaler
Perspektive zu den zehn ersten Ländern, die eine der höchsten Diabetes Raten aufweisen.

Im Verlauf
der letzten zehn Jahre ist ein Anstieg von rund 40 Prozent zu notieren. Dabei sind Männer häufiger
von Diabetes mellitus betroffen, als Frauen. Aber auch im Bereich von 0 bis 19 Jahren ist eine
Zunahme zu beobachten. Dabei erkranken Kinder immer früher, zwischen 5 und 14 Jahren. Hier spielt zwar hauptsächlich Diabetes Typ I eine Rolle, aber auch Typ II Patienten
werden zunehmend jünger. Aktuell erkranken jährlich rund 800 Kinder und Jugendliche an Diabetes
mellitus Typ II.

Im Gegensatz dazu bezifferte der Gesundheitsbericht 2010 einen Anstieg von lediglich 200 jungen
Patienten. Bereits damals galt der Begriff Altersdiabetes als überholt. Im Hinblick auf die Tatsache,
dass junge Menschen bis 20 Jahre heute das vierfache Risiko haben, an Diabetes zu erkranken, könnte
ein Umdenken zugunsten der aktiven Gesundprävention erfolgen.

Ursachen und Risikofaktoren

Diabetes Typ II entwickelt sich im Alter und während der Kindheit aufgrund ähnlicher
Voraussetzungen. Neben genetischen Faktoren verursachen vor allem Bewegungsmangel und Übergewicht die Zuckerkrankheit. Aufgrund einer ungünstigen Ernährungsweise entstehen starke Blutzuckerschwankungen, welche sich durch starken Nikotin- und Alkoholkonsum verstärken. Diese verursachen eine verminderte Wirkung von Insulin. Mithilfe einer verstärkten Insulinproduktion versucht der Körper dieser Resistenz
entgegenzuwirken. Jedoch kann diese bei anhaltendem Zustand des Übergewichts nicht mehr gewährleistet werden und die Bauchspeicheldrüse stellt kein Insulin mehr her. Es folgt ein
weiterer Blutzuckeranstieg.


Foto: 121doc.com/de
Foto: 121doc.com/de

Symptome und Folgen im Alter

Ein hoher Cholesterinspiegel oder Bluthochdruck kann im Rahmen einer ärztlichen Routineuntersuchung ein erstes Anzeichen von Diabetes sein. Weitere Symptome von Diabetes Typ II bleiben oftmals unbemerkt, da sie mit anderen Erkrankungen in Verbindung stehen können. Hinzu kommt, dass Altersdiabetes im Frühstadium anhand der folgenden unspezifischen Symptome nur schwer zu erkennen ist:

• starkes Durstgefühl

• Müdigkeit

• Abgeschlagenheit

• Schwindel

• Juckreiz

• Muskelkrämpfe


• akuter, nächtlicher Harndrang

• gehäufte Infektionen der Harnwege


Wird Typ II Diabetes jedoch zu einem späteren Zeitpunkt diagnostiziert, besteht eine hohe
Wahrscheinlichkeit weiterer Organschäden. Eine zeitnahe Konsultation des Hausarztes ist
empfehlenswert, um das Risiko für häufig auftretende Folgeerkrankungen mithilfe von Medikamenten
als auch einer Veränderung des Lebensstils zu minimieren. Rund 80 Prozent aller Diabetes Diagnosen
im Alter sind mit hohem Blutdruck kombiniert. Folgende Krankheiten entwickeln sich bei einem
unbehandelten oder nicht optimal eingestellten Diabetes mellitus:


• Herzinfarkt

• Schlaganfall

• diabetische Retinopathie (Netzhautschädigungen mit verminderter Sehschärfe bei 24 Prozent aller Diabetiker)
Neuropathien (Nervenstörungen)

• Nephropathien (Nierenschäden)

• Ulcus cruris diabeticum oder diabetisches Fußsyndrom (Bildung von Geschwüren an Unterschenkeln
oder Füßen)

• periphere arterielle Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörungen der Arme und Beine)
Behandlung und Vorbeugung von Altersdiabetes


Aktuell erkranken in Deutschland jährlich rund 300.000 Personen an Diabetes mellitus. Entsprechend professionell und umfangreich sind die derzeitigen Beratungs- und Therapieangebote. Frühzeitige Behandlungsmöglichkeiten von Diabetes im Alter konzentrieren sich auf eine
Gewichtsreduzierung durch mehr Bewegung und eine Umstellung der Ernährung.

In Abhängigkeit vom Krankheitsbild steht zudem das häufig verordnete, rezeptpflichtige Arzneimittel Metformin zur
Verfügung. Eine frühzeitige Verordnung kann die Weiterentwicklung der Stoffwechselerkrankung
verzögern und gleichzeitig die Insulinresistenz minimieren.

Unabhängig von der jeweiligen Therapie
ist eine kontinuierliche Kontrolle von Blutzuckerwerten notwendig, um möglich Folgeschäden oder Erkrankungen von Organen zu vermeiden.
Noch besser ist es jedoch, Altersdiabetes bereits frühzeitig zu vermeiden. Dies gelingt mithilfe
einer gesundheitsbewussten Ernährung in Kombination mit genügend Bewegung im Alltag. Diabetes
mellitus kann zudem mithilfe eines stark eingeschränkten Alkoholgenusses und einem Verzicht auf
Nikotin langfristig vorgebeugt werden. Gesetzlich versicherte Kassenpatienten können ab 35 Jahre zudem einen regelmäßigen Gesundheits-Check beim Hausarzt nutzen. Dieser dient der Früherkennung von ersten Risikofaktoren beziehungsweise einem Frühstadium
von Diabetes.

Quellen: Diabetes Ratgeber, 121doc, Encasa Expert

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