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Neue Hoffnung bei Speiseröhrenkrebs

Foto: pixabay.com / unsplash

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 7000 Menschen an Krebs der Speiseröhre, davon etwa die Hälfte am sogenannten Adenokarzinom. Nur knapp ein Viertel überlebt die Krankheit. Jetzt haben Erbgut-Analysen eine Reihe von genetischen Merkmalen bei Adenokarzinomen entdeckt, die Angriffspunkte für eine wirksame Chemotherapie sein könnten. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hofft auf Fortschritte bei einem besonders schwer zu behandelnden Krebsleiden.

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Adenokarzinome befallen die untere Speiseröhre, kurz vor dem Übergang zum Magen. Denn sie sind oft eine Folge der Refluxkrankheit, bei der Magensäure in die Speiseröhre gelangt. Die Betroffenen spüren dies als Sodbrennen. Die ätzende Säure schädigt die Schleimhaut der Speiseröhre und verändert die Zellstruktur bis Krebs entsteht. Reflux tritt häufig bei übergewichtigen Menschen auf und das Körpergewicht der Deutschen steigt kontinuierlich. „Die Erkrankungszahlen sind in den letzten Jahrzehnten um mehr als das Vierfache gestiegen“, berichtet DGVS-Experte Professor Dr. med. Rainer Porschen. Hinzu kommt, dass Adenokarzinome rasch wachsen. Eine Operation komme leider oft zu spät, so Porschen, der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Klinikum Bremen-Ost ist. Viele Patienten sterben innerhalb eines Jahres. Die Effektivität der aktuellen palliativen Chemotherapien sollte daher dringend verbessert werden.

In der Fachzeitschrift „Nature Genetics“ veröffentlichte Studienergebnisse könnten nun dazu beitragen, wirksame Behandlungsstrategien zu entwickeln: Das Forscherteam um Rebecca Fitzgerald von der Universität Cambridge untersuchte das gesamte Erbgut von jeweils 129 Adenokarzinomen. „Im Genom jedes Tumors fanden sie eine Vielzahl genetischer Veränderungen“, erläutert Porschen. Diese erklärten nicht nur, warum die Tumore sich so rasch ausbreiten. Die Studie zeigte auch, warum moderne Medikamente wie „Tyrosinkinase-Hemmer“ den Tumor nicht bremsen können: „Tyrosinkinase-Hemmer schalten gezielt bestimmte Treibergene aus“, so Porschen, der auch Koordinator der S3-Leitlinie „Speiseröhrenkrebs“ der DGVS ist. „Adenokarzinome verfügen aber meist über mehrere Treibergene. Um erfolgreich zu sein, müssten wir mehrere Tyrosinkinase-Hemmer einsetzen und zudem bei jedem Patienten unterschiedliche. Eine Gen-Analyse könnte zeigen, welche Medikamente zu kombinieren wären.“

Die Forscher fanden zudem drei genetische Typen des Ösophagus-Adenokarzinoms, die sich etwa in ihren Reparaturmechanismen unterscheiden. Diese Merkmale bieten weitere Ansätze für Medikamente. „Die britische Genom-Studie liefert uns eine Fülle von neuen Hinweisen“, berichtet DGVS-Vorstandsmitglied Professor Dr. med. Christian Trautwein, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechsel­erkrankungen und Internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Aachen. Dennoch werde es einige Zeit dauern, bis die Ergebnisse für Patienten bedeutsam werden. Das liegt auch daran, dass Genom-Analysen teuer sind, wenn auch die Preise zurzeit fallen. „Es liegt eine große Hoffnung auf den Genom-Analysen, allerdings liefern sie aktuell keine Garantie, ob Medikamente wirken“, betont Trautwein. „Ob die gezielte Therapie eines Adenokarzinoms aufgrund einer Erbgut-Analyse funktioniert, werden wir erst wissen, wenn weitere Studien abgeschlossen sind.“
Presse Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie

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